Test

X

Vorteilscode eingeben

Sie haben einen Vorteilscode erhalten?

Ich habe einen Vorteilscode:

Einlösen
Man sieht einen Jungen, der leicht grinsend auf sein Smartphone starrt.

So begleitest du dein Kind sicher und entspannt im Umgang mit Smartphone, Social Media und KI

Elisabeth Koblitz im Interview über ihr neues Buch, die Herausforderungen digitaler Erziehung und warum Kinder heute mehr denn je Medienbildung brauchen.

Medienerziehung beginnt nicht beim Kind, sie beginnt bei uns.

Wie verändert das Smartphone den Alltag von Kindern und Jugendlichen? Welche Rolle spielen soziale Medien wie TikTok, Instagram oder YouTube? Und: Reicht Medienerziehung heute überhaupt noch aus? Fragen, auf die Eltern und Erziehende sich mehr denn je klare Antworten wünschen. Die Journalistin, Gründerin und Newsfluencerin Elisabeth Koblitz hat ein Buch darüber geschrieben. In „Aber alle haben ein Smartphone!“ geht sie zentralen Fragen zur Mediennutzung in der Familie nach. Wir haben mit ihr im Rahmen des Launch-Events unserer neuen Bildungsinitiative „Sei ein Klugschnabel!“ gesprochen, das sie mit viel Engagement moderiert hat. .

 

 

Die Autorin Elisabeth Koblitz ist zu sehen.

Im Interview

Elisabeth Koblitz

Die Autorin Elisabeth Koblitz ist zu sehen.

Im Interview

Elisabeth Koblitz

Elisabeth Koblitz über ihr neues Buch und die Bedeutung von Medienkompetenz

Liebe Elisabeth, wir haben uns beim Launch unserer Bildungsinitiative „Sei ein Klugschnabel!“ endlich persönlich kennengelernt. Danke an dieser Stelle, dass du das Event moderiert hast. Dazu gäbe es viel zu sagen, lass uns aber dennoch hier und jetzt über dein aktuelles Buch „Aber alle haben ein Smartphone!“ sprechen, das gerade erschienen ist.

Für wen hast du dein Buch geschrieben – eher für Eltern, Pädagoginnen & Pädagogen oder für junge Leser:innen selbst?

Ich habe das Buch in erster Linie für Eltern geschrieben, also für all jene, die ihre Kinder durch diese komplexe digitale Welt begleiten wollen und dabei manchmal selbst überfordert sind.  

Aber: Viele Pädagog:innen haben mir zurückgemeldet, dass sie es genauso hilfreich finden, gerade weil Schule heute oft mit den gleichen Fragen ringt wie Familien. Für Kinder ist das Buch jetzt nicht explizit geschrieben, aber ihre Stimmen und Perspektiven sind zentral. Ich wollte kein Buch über sie schreiben, sondern mitten aus ihrer Realität heraus und habe mit vielen Kindern und Jugendlichen über ihre digitale Realität gesprochen.   

Wie verändert das Smartphone deiner Einschätzung nach den Alltag von Kindern und Jugendlichen? 

Das Smartphone ist für viele heute so selbstverständlich wie der Haustürschlüssel. Smartphones und Social Media haben bei Jugendlichen einen immens hohen Stellenwert. Es ist ihr Zugang zur Welt. Zu Freund:innen, Informationen, Unterhaltung. Gleichzeitig bringt es eine ständige Verfügbarkeit mit sich und einen daraus resultierenden sozialen Druck, unterbewusste Vergleiche… und das sind noch vergleichsweise harmlose Dinge. Man kann schon sagen: Durch ein eigenes Smartphone verschwimmt die Grenze zwischen online und offline. Klar, bei vielen von uns gab es früher auch den Fernseher, der nachmittags (heimlich) lief, wenn zum Beispiel die Eltern noch bei der Arbeit waren.  

Heute haben Kinder und Jugendliche mit dem eigenen Smartphone einen Hochleistungscomputer in ihrer Hosentasche und damit quasi permanent Zugang zur großen weiten Internetwelt – mit allem Positiven, aber auch Negativen. Und: Wir geben der Welt damit auch Zugang zu unseren Kindern. Stichwort Cybermobbing, Hass und Gewalt, Pornografie. Das muss man einfach wissen. 

Welche Rolle spielen soziale Medien wie TikTok, Instagram oder YouTube? 

Eine riesige. Sie sind nicht einfach nur Zeitvertreib, sondern Orte der Selbstvergewisserung, der Zugehörigkeit, aber auch der Verunsicherung. Viele Kinder und Jugendliche entdecken dort Leidenschaften, Vorbilder oder Informationen, die sie sonst nirgends finden. Gleichzeitig begegnen sie massivem Druck, Schönheitsidealen, toxischen Trends (TikTok-Challenges) oder Hass. Social Media an sich ist, übrigens genau wie das Smartphone, erstmal weder gut noch schlecht. Ich begreife beides eher als Werkzeuge. Es hängt davon ab, ob unsere Kinder (und auch wir Erwachsene) einen gesunden und guten Umgang mit ihnen lernen.  Das ist gar nicht so leicht, denn die Apps sind bewusst so gebaut, dass sie uns immer wieder in ihren Bann ziehen. Die Plattformen wollen unsere Aufmerksamkeit und unsere Zeit. Das versuchen sie mit perfiden Tricks; Dark Patterns nennt die Wissenschaft das. Videos, die automatisch abspielen, der nicht enden wollende Feed, Inhalte, die perfekt zu meinen Interessen passen. All das führt dazu, dass wir häufiger und länger auf Social Media hängen bleiben, als es sich gut anfühlt.    

Gibt es Beispiele aus deiner Recherche, bei denen sich Fake News besonders negativ ausgewirkt haben? 

Ich erlebe sie ständig, auch bei meiner Arbeit auf Social Media als Journalistin. Gerade in Breaking News-Situationen. Wir müssen eine digital kompetente und kritische Gesellschaft werden. Dazu gehört es, zu wissen, wie Desinformation funktioniert und dass sie häufig gezielt gestreut wird. Dass dahinter nicht selten auch ganze Regimes wie Iran oder Russland stecken. Ihr Ziel ist es, Ängste zu schüren, das Vertrauen in demokratische Institutionen zu beschädigen und die Gesellschaft zu spalten.  

Was sind typische Mechanismen, durch die Falschinformationen Kinder und Jugendliche erreichen – und warum funktionieren sie bei Jüngeren besonders gut? 

Vieles läuft über Emotion. Fake News sind oft einfach, emotional, drastisch – also genau das, was auf Social Media gut funktioniert. Hierbei werden also die Mechanismen der Plattformen ausgenutzt, denn TikTok oder YouTube spielen Inhalte nicht nach Qualität oder Richtigkeit aus, sondern nach Engagement. Unsere Kinder sind in besonderer Weise gefährdet, weil sie ihre eigene Stimme noch nicht gefunden haben und sie gleichzeitig erstmal noch lernen müssen, kritisch zu denken.

Reicht Medienerziehung heute noch aus? Oder brauchen wir etwas grundlegend Neues? 

Wir brauchen dringend ein Update. Medienerziehung darf nicht mehr nur ein Projekttag mit „Fake-News-Erkennung“ sein. Wir müssen Kinder langfristig begleiten, auch emotional. Was macht es mit mir, wenn ich ständig online bin? Wie gehe ich mit digitalem Stress um? Medienkompetenz ist heute auch Resilienz, Selbstregulation, Empathie.   

Was überzeugt dich besonders an der Bildungsinitiative von Sailer?

Dass es nicht nur super Angebote für Kinder gibt, sondern gleichzeitig auch die Eltern und Lehrkräfte mitgedacht werden. Denn nur so kann Medienkompetenz gelingen: wenn alle an einem Strang ziehen und auf dem gleichen Wissensstand sind, was dieses große und komplexe Thema angeht.  

Hand aufs Herz: Was hat dich bei der Arbeit am Buch selbst überrascht oder erschüttert? 

Mich hat die Wucht überrascht, mit der Kinder heute mit Inhalten konfrontiert werden, die für Erwachsene schwer zu verdauen sind, von Hardcore-Pornos bis Gewaltvideos. Und gleichzeitig, wie wenig Schutz es davor gibt – und auch vor Kriminellen. Ich war oft wütend. Wütend auf Plattformen, aber auch auf die Politik, die Verantwortung gerne auf die Eltern abschiebt. Wir brauchen da dringend strukturelle Veränderungen.    

Was ist aus deiner Sicht der erste Schritt, wie Erziehende ihre Kinder auf dem Weg zu mehr „Medienmündigkeit“ begleiten können?  

Indem wir erstmal zuhören und Interesse haben! Nicht nur an ihrem analogen Leben, sondern auch an ihrer digitalen Welt. Wirklich verstehen wollen, was Kinder da eigentlich tun, fühlen, suchen: Das ist ein erster Schritt. Und mit gutem Beispiel voran gehen und unseren eigenen Konsum hinterfragen: Wie nutze ich mein Smartphone und wann? Welche Regeln leben wir als Eltern vor? Medienerziehung beginnt nicht beim Kind, sie beginnt bei uns.


 

Vielen Dank für deine Antworten und dein wichtiges Buch!

Kathi Schmitz

geschrieben von
Kathi Schmitz