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Eine erwachsene Person und ein Kind sitzen nahe beieinander und schauen gemeinsam auf ein Mobiltelefon. Die Szenerie wirkt harmonisch und interessiert. Beide tragen legere Kleidung.

Wie kann ich mein Kind im Umgang mit KI und digitalen Medien begleiten?

KI würde nie sagen: Das weiß ich nicht. Sie denkt sich einfach etwas aus, halluziniert und kann uns daher auf Fehlpfade führen – wenn wir nicht lernen, sie kritisch zu hinterfragen.

– Leonie Lutz

 

 

Eine lächelnde Frau sitzt an einem Tisch mit einem aufgeschlagenen Buch vor sich. Neben ihr liegt ein Stapel Bücher. Im Vordergrund liegt ein Laptop und ein Bleistift. Der Hintergrund ist hell und minimalistisch gestaltet.

Kathrin Schmitz spricht mit Leonie Lutz – Redakteurin, Autorin und Gründerin von Kinder digital begleiten – darüber, wie Kinder sicher, neugierig und selbstbewusst in der digitalen Welt aufwachsen können. Foto: Leonie Lutz

Kinder digital begleiten heißt, sie im Umgang mit Medien nicht allein zu lassen, sondern sie altersgerecht, offen und ohne Verbote zu unterstützen. 

Künstliche Intelligenz (KI) gehört für viele Kinder längst zum Alltag, bei den Hausaufgaben ebenso wie in der Freizeit. Doch ohne Einordnung bleibt ihre Nutzung oft unreflektiert. Medienpädagogin Leonie Lutz erklärt im Expertinnen-Interview, warum du KI nicht verbieten solltest, weshalb Lesen die Basis digitaler Kompetenz bleibt und wie dein Kind lernt, KI-Inhalte kritisch zu hinterfragen. Dieser Artikel richtet sich an Eltern von Kindern im Grundschulalter, die digitale Medien begleiten möchten, ohne sie ständig zu verbieten oder zu kontrollieren.  

Leonie, du begleitest seit vielen Jahren Eltern, Kinder und Erziehende im digitalen Alltag. Wie kam es dazu, dass du dich so intensiv mit dem Thema Medienkompetenz beschäftigt hast?

Durch meine Arbeit in Online-Redaktionen waren mir die Themen viele Jahre beruflich nah – den Eltern um mich herum erging es da ganz anders. So war ich immer wieder Ansprechpartnerin im Freundeskreis, wenn Familien Fragen hatten. Und daraus entstand dann meine Idee zu dem Projekt „Kinder digital begleiten“.  

Dein neues Buch heißt „Kluge Köpfchen mit KI“. Wie ist die Idee dazu entstanden und warum war jetzt der richtige Zeitpunkt dafür?

Mir ist aufgefallen, dass viele Kinder und Jugendliche künstliche Intelligenz häufig unreflektiert nutzen. Mal für die Hausaufgaben, aber eben auch als Therapeut oder gefühlter bester Freund. Das kommt daher, dass diesen Kindern nie jemand beigebracht hat, dass wir KI auch kritisch betrachten müssen, um uns an den richtigen Stellen zu schützen. Diese Lücke wollen wir mit unserem Buch schließen. 

Gemeinsam mit Kai Spriestersbach erklärst du in eurem Buch, wie Familien und Kinder künstliche Intelligenz sinnvoll nutzen können. Was war für dich beim Schreiben die größte Überraschung oder Erkenntnis?

Im Positiven, welch großartige Impulse eine KI geben kann, wenn wir sie mit den richtigen Prompts füttern, ihr eine Rolle und Kontext geben. 

Im Negativen, wie fehleranfällig KI ist. Sie würde nie sagen: Das weiß ich nicht, nutze eine andere Quelle. Sie denkt sich einfach etwas aus, halluziniert und kann uns daher auf Fehlpfade führen, wenn wir nicht lernen, sie kritisch zu hinterfragen.

Gibt es ein Kapitel oder Thema, das du Eltern besonders ans Herz legen würdest? Etwas, das sie gleich ausprobieren sollten?

Ich mag sehr gerne die Idee, die Kai fürs Buch entwickelt hat: Kindern erstmal ein Gespür für Algorithmen zu geben, indem wir ein gemeinsames Spiel spielen – ohne KI. Es braucht dafür lediglich Küchenutensilien oder Dinge, die wir ohnehin im Haushalt haben. Mit den richtigen – oder auch falschen – Anweisungen, diese Dinge zu sortieren und zu nutzen, lernen Kinder spielerisch, wie Algorithmen funktionieren.  

Spannend! Viele Eltern fragen sich: Wenn mein Kind KI nutzt, etwa für Hausaufgaben oder kreative Ideen, wo ist die Grenze zwischen „sinnvoll“ und „zu viel“?

Als „zu viel“ würde ich die Nutzung empfinden, wenn die KI im Kontext Schule nur zur Lösung von Aufgaben genutzt wird. Wird sie jedoch als Werkzeug herangezogen, um beispielsweise Lernwege zu erklären, kann sie sinnvoll sein.

Gibt es Bücher oder andere Medien, die du Familien zusätzlich zu „Kluge Köpfchen mit KI“ empfehlen würdest?

Ich mag für Kinder das Buch von Diana Knodel „KI und DU“ sehr gerne und „Robotti, wir haben ein Problem“ von Sarah Hofmann und Miriam Prätsch. Eltern kann ich außerdem „Wie KI dein Leben besser macht“ von Dirk von Gehlen empfehlen. 

Wenn du fünf Jahre in die Zukunft blickst, wie stellst du dir das Zusammenspiel von Lesen, Medienbildung und KI-Kompetenz bei Kindern vor?

Lesen bleibt das Fundament – aber nicht nur im klassischen Sinn des Buchlesens. Kinder werden lernen müssen, Texte in unterschiedlichen Formaten und Medien kritisch zu verstehen, von Chatverläufen über KI-generierte Inhalte bis hin zu multimodalen Texten mit Bildern, Videos und interaktiven Elementen. Dafür brauchen wir die flächendeckende Vermittlung von Medienkompetenz in den Schulen. 

Und zum Schluss: Wenn du jetzt 15 Minuten ganz für dich hättest: Was würdest du lesen oder hören, um dich inspirieren zu lassen?

Ich würde mir einen Podcast anhören, in dem Aladin El-Mafaalani spricht.


 

Lust auf mehr Informationen rund um digitale Erziehung? Dann kommt hier Material zum Weiterlesen!

Buchcover von 'Kluge Köpfchen mit KI' von Kai Spriestersbach und Leonie Lutz. Der Untertitel lautet: 'Wie wir künstliche Intelligenz mit Kindern smart und sicher nutzen'. Auf dem Cover sind Illustrationen von drei Personen, die mit Laptops arbeiten. Im Hintergrund sind bunte Grafiken zu sehen. Oben links befindet sich ein rosa Kreis mit dem Text: 'Der Kompass für Spiel, Leben & Lernen'. Unten rechts ist ein orangefarbener Aufkleber mit der Aufschrift: 'SPIEGEL Bestseller Autorin'.

Leonie Lutz & Kai Spriestersbach:
Kluge Köpfchen mit KI – Wie Familien und Kinder künstliche Intelligenz verstehen und sinnvoll nutzen können
Ein praxisnaher Begleiter für Eltern, die neugierig auf KI sind – mit vielen Beispielen, Aha-Momenten und Impulsen für den Familienalltag. 

Mehr über Leonie und ihr Engagement findest du auf Kinder Digital Begleiten. 


 

Was Eltern wissen müssen:

Die wichtigsten Punkte für Eltern und alle Erwachsenen, die Kinder im digitalen Alltag begleiten.

  • KI braucht Einordnung, keine Verbote
    Entscheidend ist, wie dein Kind KI nutzen lernt, nicht ob. 
  • Lesen ist die Basis jeder Medienkompetenz
    Wer Inhalte versteht, kann auch KI-Antworten bewerten. 
  • Begleitung schlägt Kontrolle
    Medienkompetenz entsteht im Dialog, nicht durch Regeln allein. 

Sailer Mini-FAQ: Kinder im Umgang mit KI und digitalen Medien begleiten 

1. Ab welchem Alter sollte ich mein Kind digital begleiten?
So früh wie möglich. Digitale Begleitung beginnt nicht erst mit dem ersten Smartphone, sondern schon dann, wenn dein Kind Videos schaut, Spiele spielt oder Sprachassistenten erlebt. Wichtig ist eine altersgerechte Erklärung und Einordnung anstelle von Verboten.

2. Muss ich die Mediennutzung meines Kindes ständig kontrollieren?
Nein, musst du nicht. Kontrolle allein schafft keine Medienkompetenz. Entscheidend ist der Dialog: Zeig Interesse, probiert gemeinsam aus, stell Fragen und sprecht über die Inhalte, die dein Kind konsumiert. Den bewussten Umgang mit Medien lernt dein Kind durch Begleitung, nicht durch Überwachung. 

3. Sollte ich meinem Kind die Nutzung von KI verbieten?
Ein Verbot halten wir für nicht sinnvoll. Ob Apps, (Lern-) Spiele oder erste eigene Suchen im Netz: KI gehört zunehmend zum Alltag von Kindern. Wichtiger ist, zu erklären, wie KI funktioniert, wo ihre Grenzen liegen und warum ihre Antworten nicht immer korrekt sind.

4. Wie spreche ich mit meinem Kind über problematische oder falsche KI-Inhalte?
Spielerisch und offen. Frage nach, was dein Kind gesehen, gehört oder gelesen hat, und besprecht, warum Inhalte falsch, einseitig oder erfunden sein können. Hört auch gern unseren Kinderpodcast “Klugschnabeln”, der deinem Kind genau die neugierige, hinterfragende Haltung vorlebt, die echte Medienkompetenz ausmacht.

5. Was tun, wenn mein Kind durch KI-Inhalte verunsichert oder verängstigt ist?
Nimm solche Gefühle ernst. Sprecht darüber, ordne das Gesehene ein und erkläre, dass KI auch Fehler macht oder Dinge „erfindet“. Gemeinsam darüber zu sprechen, hilft deinem Kind, Vertrauen und Sicherheit zurückzugewinnen.

6. Welche Rolle spielt Lesen bei KI und Medienkompetenz?
Lesen ist die Grundlage jeder digitalen Kompetenz. Wer Texte versteht, kann Informationen einordnen, bewerten und KI-Antworten kritisch hinterfragen. Egal ob es sich um Bücher, Zeitschriften, Chats oder KI-generierte Inhalte handelt. Apropos Zeitschriften: Wir schenken durch unsere Wissensmagazine für Kinder von 2 bis 15 Jahren nicht nur Lesefreude, sondern auch Medienkompetenz. Schau dich gern in unserem Shop um und erlebe, welches Magazin am besten zum Alter deines Kindes passt.

Bei Kindern ist ein niedrigschwelliger Zugang besonders wichtig. Nicht nur künstliche Intelligenz „halluziniert“, das tun Menschen ebenfalls. Umso wichtiger ist es, Kinder dabei zu unterstützen, KI nicht als allwissende Instanz zu sehen, sondern als Werkzeug, das Fehler machen kann. Aus dieser Haltung ist unsere Bildungsinitiative und mit ihr der Kinderpodcast „Klugschnabeln“ entstanden. Gemeinsam mit Podcasthost Sheena und Papagei Pino lernt dein Kind, Informationen zu hinterfragen, statt sie einfach zu glauben.  - Sheena Cvrlje, Podcast-Host „Klugschnabeln“, Expertin für Medienkompetenz

Der Sailer-Expertentipp

„Kinder sollen lernen, Informationen zu hinterfragen, statt sie einfach zu glauben.
Das ist besonders im Kontext „KI“ relevant. Wir möchten Kinder dabei unterstützen, KI nicht als allwissende Instanz zu sehen, sondern als Werkzeug, das auch Fehler machen kann. Diese digitale Achtsamkeit brauchen Kinder, um sich langfristig und reflektiert im medialen Alltag zurechtzufinden.
Dafür setzen wir uns ein, mit unserer Bildungsinitiative und mit dem dazugehörigen Kinderpodcast „Klugschnabeln – Fakten checken, Fakes entlarven“.“

Sheena Cvrlje Podcast-Host „Klugschnabeln“, Expertin für Medienkompetenz

Porträt einer lächelnden Person mit blonden Haaren, die ein gestreiftes Hemd trägt.
Autorin

Kathrin Schmitz 

Kathrin Schmitz schreibt seit 2018 für Sailer über Familie, Lernen und Kinder. Als systemisch ausgebildeter Coach und Mama von zwei Kindern verbindet sie fachliche Tiefe mit echter Nähe zum Familienalltag.

Porträt einer lächelnden Person mit blonden Haaren, die ein gestreiftes Hemd trägt.

Autorin

Kathrin Schmitz

Kathrin Schmitz schreibt seit 2018 für Sailer über Familie, Lernen und Kinder. Als systemisch ausgebildeter Coach und Mama von zwei Kindern verbindet sie fachliche Tiefe mit echter Nähe zum Familienalltag.