Kinder belohnen

Kinder belohnen: Ja oder nein?

Warum Belohnungssysteme schaden können. Und wann sie motivieren.

„Wenn du dein Zimmer aufräumst, darfst du heute Abend das Fußballspiel schauen.“ – Viele Kinder haben derartige Sätze schon einmal zu hören bekommen. Die Rede ist von Belohnungen, einem immer wieder emotional diskutierten Thema. Warum emotional? Weil Eltern wie Kinder intuitiv spüren, dass sich äußere Anreize oftmals falsch anfühlen. Und sie haben recht. Welche Gründe gegen Belohnungssysteme sprechen und wann sie wirklich motivieren, darüber informieren wir in unserem Blog.
„Wenn du unter der Woche dein Gemüse isst, gibt’s am Wochenende ein extra großes Eis.“ „Kommen wir ohne Zetern vom Spielplatz nach Hause, darfst du 10 Minuten länger fernsehen.“ „Wer bis zum Mathetest fleißig mitarbeitet, wird Klassenkönig“. – Belohnungen für gewünschtes Verhalten in Aussicht zu stellen, gehört in vielen Familien, Schulen und Kitas zum Erziehungsrepertoire. Dennoch stellen immer mehr Pädagoginnen und Pädagogen diese durchaus gut gemeinte Strategie in Frage. Gründe dafür gibt es einige, allen voran den sogenannten Korrumpierungseffekt, bei dem eine Verhaltensänderung nur so lange gezeigt wird, bis der äußere Anreiz entfällt. Das bedeutet: Bleibt das gewohnte Eis am Wochenende aus, wird auch der Brokkoli unter der Woche nicht mehr oder weniger gern gegessen. Welche Gründe außerdem gegen herkömmliche Belohnungssysteme sprechen und wann Anreize Kinder wirklich beim Wachstum unterstützen, das erfahren Sie hier.

Belohnungssysteme: Darum sind sie kontraproduktiv

Neben dem Korrumpierungseffekt gibt es 3 weitere Gründe, die gegen äußere Anreize als Erziehungsmaßnahme sprechen:

1. Belohnungen schwächen die Wahrnehmung für eigene Bedürfnisse

Ein Kind, das den Salat nur isst, um danach etwas Süßes zu bekommen, lernt durch die Belohnung nicht, den Körper regelmäßig ausgewogen zu versorgen. Es erfährt auch nicht, wie es ist, in sich hinein zu spüren und herauszufinden, was es gerade braucht. Ist es Salat? Ist es Schokolade? Oder ist es vielleicht etwas ganz anderes? – In vielen Fällen können äußere Anreize Kinder dazu verführen, die eigene Stimme zu überhören. Dann resultiert aus der (gut gemeinten) Belohnung das Gegenteil: Das Kind entwickelt eine immer größere Toleranz, gegen die eigene Überzeugung zu handeln, solange es dafür ein „Schmerzensgeld“ bekommt.

2. Belohnungen rauben Kindern das Geschenk, stolz auf sich zu sein

Gerade bei eingefahrenen oder gesellschaftlich akzeptierten Verhaltensweisen kann es hilfreich sein, die eigenen Muster mit einem Augenzwinkern zu hinterfragen: Ist Zimmer aufräumen wirklich so schrecklich, dass es nur mit einer Belohnung machbar ist? Ist es tatsächlich unmöglich, den Heimweg vom Spielplatz einvernehmlich anzutreten, ohne mit Süßkram zu locken? Oder kann Ihr Kind das schaffen? – Wir glauben ja! Weil das eigentliche Geschenk, das dahinter wartet, süßer ist als Schokopudding und bunter als extra Medienzeit: das souveräne Gefühl, etwas aus eigenem Antrieb geschafft zu haben. Vielleicht nicht jeden Tag, aber mit Sicherheit immer häufiger.

3. Ausbleibende Belohnungen fühlen sich an wie Strafen

Zu Beginn steht die Belohnung. Sie soll ein gewünschtes Verhalten auslösen, das dann hoffentlich Stück für Stück zu einer neuen Gewohnheit wird. Das ist ja der Wunsch, der hinter äußeren Anreizen steht. – Aber wie fühlt es sich an, wenn das Ziel nicht erreicht wird? Wenn Ihr Kind nicht die gewünschte Note in der Mathearbeit schreibt? Wenn es nicht sein Zimmer aufräumt und standhaft keinen Spinat isst? Dann bleibt die Belohnung aus und das fühlt sich an wie eine Strafe. Das Selbstvertrauen sinkt – und die Kooperationsbereitschaft Ihres Nachwuchses gleich mit.

Wie also kann es besser gehen? Was motiviert Kinder wirklich, ihr Bestes zu geben? Wie lernen sie, auch ohne äußere Anreize zu kooperieren? Denn kooperieren wollen sie immer, da war sich auch der anerkannte dänische Familientherapeut Jesper Juul sicher.

Kinder mit Leichtigkeit motivieren – so geht‘s

In erster Linie lernen Kinder durch Vorbilder. Indem Eltern und andere Erziehungsberechtigte Dinge aus sich heraus tun, in Einklang mit ihren Überzeugungen handeln und unliebsames Verhalten nicht abwerten, erfahren sie Toleranz, Verbundenheit und Wertschätzung. Auch dann angenommen zu sein, wenn sie nicht den Vorstellungen anderer entsprechen, steigert das Gefühl von Sicherheit und hilft Kindern, von klein auf Selbstvertrauen, Selbstachtung und Selbstständigkeit zu entwickeln – alles notwendige Voraussetzungen für ein erfülltes Leben.

Familie mit 2 Kindern

Neben dem Vorleben gewünschter Verhaltensweisen ist Zeit – Sie ahnten es bereits! – das Zaubermittel für ein funktionierendes Miteinander. Sei es, um Konflikte souverän miteinander und ohne Belohnungen zu lösen. Oder tatsächlich als gezielte Motivation, um Dinge zu erreichen, die Ihrem Kind alleine (noch) schwerfallen würden. „Die Klassenlektüre fühlt sich so lang an!“ – „Wenn du ein Kapitel gelesen hast, lesen wir ein paar Seiten gemeinsam.“ Solche wohl dosierten Anreize können als eine Art Gehhilfe dienen, wenn der Weg für das Kind alleine zu steinig wäre. Gleichzeitig zahlen sie auf etwas viel Größeres ein: eine echte Beziehung zu Ihrem Kind. In jungen Jahren begonnen, hält sie gewiss ein Leben lang.

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