Im Gespräch: Andrea Hösel

„Lesen hilft, unsere immer komplexere Welt zu verstehen und seinen Platz darin zu finden.“

Ein Interview mit Chefredakteurin Andrea Hösel vom Sailer Verlag

Der Sailer Verlag feiert in diesem Jahr seinen 51. Geburtstag. Seit jeher liegt Ihrem Verlag die Liebe zum Lesen am Herzen. Besonderen Fokus legen Sie dabei auf Kinder und Teenager. Wie holen Sie diese junge Zielgruppe ab, woher holen Sie sich die Inspiration und wie schaffen Sie es, sie zum Lesen zu motivieren?

Unser Verlagsziel ist es, dass alle Kinder Lesen lieben lernen. Das gelingt uns, indem wir für jedes Kind die passende Zeitschrift anbieten: genau auf ihr Alter und auf ihre Interessen zugeschnitten. Dabei behandeln wir auch Themen, die sich an den Lehrplänen der Kultusministerien orientieren. Wenn Kinder etwas spannend finden, lesen sie auch gerne – davon bin ich überzeugt.

Andrea Hösel

Lesen Kinder und Teenager heute weniger gern als früher? Wie verändert das Ihre Arbeit beim Sailer Verlag?

Früher gab es weniger Angebote. Heute konkurrieren viele Medien um die Aufmerksamkeit der Kinder. Doch gerade in dieser schnellen und komplexen Welt ist es wichtig, Ruhe und Orientierung zu bekommen. Das leisten wir mit unseren Zeitschriften.

Lesekompetenz

Lesekompetenz vs. Medienkompetenz – inwieweit gehören diese beiden Begriffe zusammen?

Lesen ist die Kulturtechnik Nr. 1, ohne Lesen geht nichts: Keine Textaufgabe in Mathematik, keine Spielanleitung und – auch Influencer*innen müssen lesen und schreiben können. Zugleich wird es natürlich immer wichtiger, dass Kinder und Jugendliche über eine gewisse Medienkompetenz verfügen.

Deshalb haben wir vom Sailer Verlag dazu ein Arbeitsheft für Schulen herausgebracht. Gebündelt erklären wir Kindern darin alles, was sie unbedingt wissen müssen: Was Fake News sind, wie Fotos manipuliert werden können, wie man Werbung von journalistischen Beiträgen unterscheidet und wie sie sich gegen Cyber-Mobbing wehren.

Der Trend geht in Richtung digitale Medien. Für wie wichtig halten Sie es, dem Trend entgegenzusteuern und gerade bei Kindern Printmedien weiterhin zu fokussieren?

Zuallererst: Wir stellen uns nicht gegen Trends. Ganz im Gegenteil. Wir beobachten sie sorgfältig und schaffen digitale Produkte, die einen Mehrwert für Kinder bieten. Zurzeit arbeiten wir zum Beispiel an einer Lese-App („sailer lesen+“). Außerdem sind wir dabei, unsere beliebte Lese-WM zu digitalisieren – damit Eltern und Lehrkräfte auch online qualitativ hochwertiges Material bekommen. Und wir berichten auch in unseren Zeitschriften über digitale Medien, geben den Kindern Einordnung und Hilfestellung.

Trotzdem will ich hier nicht unterschlagen: Gerade für Kinder bieten Zeitschriften viele Vorteile. Sie hängen sich unsere Wissensposter in ihr Kinderzimmer und verinnerlichen so Wissen. Außerdem lernen sie durch das Arbeiten mit unseren Bastelbögen, kreativ zu sein, ihre Feinmotorik wird geschult. Und sie beschäftigen sich eine gewisse Zeit lang nur mit einer Sache, was Ausdauer und Konzentration fördert.

Die Corona-Pandemie und der bundesweite Lockdown war für alle, besonders für Kinder und Jugendliche, sehr prägend. Welche Resonanz haben Sie in dieser Zeit von Ihren Leser*innen bekommen?

Während des Lockdowns haben wir unglaublich viele Briefe und Zeichnungen von unseren Leser*innen bekommen! Die Kinder hatten anscheinend das Bedürfnis, sich sinnvoll zu beschäftigen. Wenn Kinder sich hinsetzen und sich Zeit nehmen, ein Bild zu malen, verarbeiten sie dabei Gefühle und Ereignisse. Gleichzeitig schult es Fantasie und Kreativität. Das ist eine positive Entwicklung in dieser schwierigen Zeit.

Wie konnten Sie in den Zeitschriften das Thema Corona aufgreifen?

In unseren Zeitschriften haben wir natürlich über die Pandemie berichtet. Meine Kolleg*innen haben sich viel Mühe gegeben, dieses komplexe Thema altersgerecht für Kinder aufzubereiten. Aufklären, ohne Angst zu machen.

Besonders online waren wir sehr schnell. Als die ersten Schulen in unserem Nachbarland Österreich schlossen, haben wir bereits kostenlose Arbeitsblätter produziert: über das Corona-Virus, aber auch zu wichtigen Schulthemen wie Steinzeit, Ernte und Altes Ägypten. Eltern und Lehrkräfte können sich diese einfach downloaden. Außerdem haben wir die wichtigsten Hygiene-Regeln auf einem witzigen Waschbär-Poster für Kinder aufbereitet. Die hängen jetzt in vielen Klassenzimmern.

Kurz und knapp zusammengefasst: Warum ist Lesen für Kinder wichtiger denn je?

Lesen hilft, unsere immer komplexere Welt zu verstehen und seinen Platz darin zu finden. 

In Ihrem Unternehmen werden Werte großgeschrieben. Inwieweit gehen Sie auf diese in Ihren Magazinen ein und warum sind diese für Kinder so wichtig?

Im Sailer Verlag verlegen wir pädagogisch wertorientierte Magazine. Wir begleiten und fördern Kinder in ihrer seelischen und intellektuellen Entwicklung.

Kinderzeitschrift Olli und Molli Kindergarten
„Wir wollen
Kinder stark machen
für ihre Zukunft –
mit Wissen und Empathie.“

Sie wollen Kindern auf spielerische Art und Weise Wissen vermitteln: Wie schaffen Sie das?

Ich finde, es gibt kein Thema, das man nicht spannend und interessant aufbereiten kann. Um Kinder mit verschiedenen Interessen zu catchen, wechseln sich in unseren Zeitschriften verschiedene Rubriken ab, so dass es einen bunten Themenmix gibt. Reportagen aus fremden Ländern, kleine Rätsel, Geschichten zum Schmunzeln und Abenteuer-Storys mit vielen Fotos.

Und unterschätzen Sie unsere Kinder nicht: Sie sind unglaublich wissbegierig. Sie wollen lernen, wieso der Himmel blau ist, das Meer salzig und wie sie unsere Umwelt schützen können. Unsere Leser*innen schreiben uns häufig, dass sie feste Wissens-Rubriken in den Zeitschriften sehr schätzen – wie zum Beispiel im Tierfreund die „Rote Liste“ über bedrohte Tierarten.

Ein Blick in die Zukunft: Wie lesen Kinder in 50 Jahren?

50 Jahre in die Zukunft blicken, das ist schwer. Bestimmt wird es tolle neue Möglichkeiten geben, um spannend Wissen zu vermitteln. Vielleicht lernen Kinder dann die Funktionsweise eines Vulkans als Hologramm kennen? Warum nicht.

Ich bin mir aber sicher, das gedruckte Wort wird seine Bedeutung behalten und die Grundlage in einer veränderten Welt bleiben. Schauen Sie mal ins Silicon Valley. Dort schicken die Großen der Digital-Branche ihre Kinder in Waldorf-Schulen, wo es nur Papier, Stifte, viel Tun mit den Händen und das gedruckte Wort gibt! Diese modernen Welten-Lenker wissen, was im Kindesalter wichtig ist, um echte Kreativität zu entwickeln. Das macht mir Lust auf viele weitere Jahre gedruckte Produkte aus dem Sailer Verlag.

Kinderzeitschrift Olli und Molli Kindergarten

„… das gedruckte Wort
wird seine Bedeutung behalten
und die Grundlage
in einer veränderten Welt bleiben.“

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